Vertikutieren lohnt sich nur, wenn sich eine Filzschicht aus abgestorbenem Gras gebildet hat, bei vielen Hausrasen reicht das alle ein bis drei Jahre. Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr nach dem zweiten Schnitt, wenn der Rasen kräftig wächst und einige Wochen vorher gedüngt wurde. Die Messer sollen den Boden nur anritzen, nicht aufschlitzen.
Was Vertikutieren eigentlich macht
Beim Vertikutieren schneiden senkrecht stehende Messer durch die Grasnarbe. Sie ziehen abgestorbenes Gras, Moos und Schnittreste heraus, die sich zwischen den Halmen angesammelt haben. Diese Schicht heißt Rasenfilz. Wird sie zu dick, kommt weniger Luft, Wasser und Dünger an die Wurzeln, und Moos findet ideale Bedingungen.
Vertikutieren ist damit eine Reparatur, keine Routinepflege. Es verletzt die Grasnarbe bewusst, damit sie sich danach dichter schließt. Das funktioniert nur, wenn der Rasen genug Kraft hat, die Wunden schnell zu schließen.
Davon zu unterscheiden sind zwei andere Arbeiten. Beim Aerifizieren werden Löcher in den Boden gestochen, um Verdichtungen zu lösen. Das hilft bei festem, lehmigem Boden oft mehr als Vertikutieren. Beim Striegeln oder Rechen wird nur lose Streu ausgekämmt, ohne in den Boden zu schneiden.
Braucht Ihr Rasen das überhaupt?
Machen Sie den Test, bevor Sie das Gerät holen. Stechen Sie mit einem Spaten ein kleines Stück Rasen aus und schauen Sie auf die Schnittkante. Zwischen den grünen Halmen und dem Boden liegt eine braune, faserige Schicht. Ist sie nur wenige Millimeter dick, ist alles in Ordnung. Als Faustregel gilt: Ab etwa einem Zentimeter Filz lohnt sich das Vertikutieren.
Weitere Hinweise geben der Rasen selbst und der Fuß:
- Der Rasen fühlt sich beim Gehen weich und federnd an.
- Wasser steht nach Regen länger auf der Fläche oder läuft ab, statt einzusickern.
- Moos breitet sich zwischen den Halmen aus.
- Der Rasen wird trotz Düngung nicht richtig grün.
Ein neu angesäter Rasen muss nach der Deutschen Rasengesellschaft im ersten Jahr noch nicht vertikutiert werden. Bei vielen Hausrasen, die regelmäßig gemäht und gedüngt werden, reicht es alle ein bis drei Jahre. Wer jedes Jahr routinemäßig vertikutiert, schwächt den Rasen oft mehr, als er ihm hilft.
Prüfen Sie an mehreren Stellen. Unter Bäumen, im Schatten des Hauses und an feuchten Stellen bildet sich oft mehr Filz als auf der sonnigen Hauptfläche. Dann reicht es manchmal, nur diese Bereiche zu bearbeiten und den Rest in Ruhe zu lassen.
Der richtige Zeitpunkt
Nach Empfehlung der Deutschen Rasengesellschaft ist ein guter Zeitpunkt im Frühjahr nach dem zweiten Schnitt. Dann ist das Wachstum sicher in Gang, und die Gräser können die Lücken schnell schließen. In unserer Region fällt das je nach Witterung meist in die Zeit von Mitte April bis Mitte Mai.
Zwei bis drei Wochen vorher sollte die erste Düngung ausgebracht sein. Der Rasen braucht diese Nährstoffe, um nach dem Eingriff schnell nachzuwachsen. Wer zu früh vertikutiert, wenn der Rasen noch nicht wächst, schwächt ihn unnötig und schafft Platz für Moos und Unkraut. Wie die Frühjahrsdüngung abläuft, steht im Artikel Rasen düngen.
Ein zweiter möglicher Termin ist der Spätsommer, etwa Ende August bis Mitte September, wenn die größte Hitze vorbei ist. Das bietet sich an, wenn danach gleich nachgesät werden soll. Nicht vertikutieren sollten Sie bei Hitze, Trockenheit, Frost oder nassem Boden.
Schritt für Schritt
So läuft das Vertikutieren ab:
- Den Rasen auf etwa 2,5 bis 3 cm herunter mähen.
- Warten, bis Boden und Rasen abgetrocknet sind.
- Die Messer so einstellen, dass sie den Boden nur leicht anritzen. Die Probe machen Sie an einer unauffälligen Stelle.
- In Bahnen längs über die Fläche fahren. Bei starkem Filz ein zweites Mal quer dazu.
- Das herausgeholte Material gründlich abrechen und entsorgen oder kompostieren.
- Kahle Stellen mit Saatgut nachsäen, leicht andrücken und feucht halten.
Die Fläche sieht danach oft erschreckend aus. Das ist normal. Bei gutem Wetter und ausreichend Feuchtigkeit ist sie nach zwei bis drei Wochen wieder geschlossen.
Leihgeräte aus dem Baumarkt oder Mietpark reichen für Hausgärten. Achten Sie auf scharfe Messer. Stumpfe Messer reißen das Gras aus, statt es zu schneiden.
Nach dem Vertikutieren
Die ersten Wochen nach dem Vertikutieren entscheiden, ob der Rasen dichter wird oder ob Moos und Unkraut die Lücken füllen.
Bewässern Sie die Fläche, wenn es nicht regnet, besonders die nachgesäten Stellen. Die Keimlinge brauchen eine feuchte Oberfläche. Bei Hitze nach dem Vertikutieren wird es kritisch, dann muss öfter gegossen werden. Wie Sie das effizient machen, steht im Artikel Rasen bei Hitze gießen.
Auf schweren, verdichteten Böden lohnt es sich, nach dem Vertikutieren eine dünne Schicht Sand auszubringen und einzuarbeiten. Sie verbessert die Durchlässigkeit der obersten Schicht. Bei starker Verdichtung ist Aerifizieren die wirksamere Maßnahme.
Mähen Sie erst wieder, wenn der Rasen deutlich nachgewachsen ist, und nicht zu tief. Eine Schnitthöhe von drei bis viereinhalb Zentimetern ist für Gebrauchsrasen in der Regel richtig.
Das passende Gerät
Für einen Hausgarten reicht meist ein elektrischer Vertikutierer mit etwa 30 bis 40 cm Arbeitsbreite. Größere Flächen gehen mit einem Benzingerät schneller. Beide lassen sich bei Mietparks und vielen Baumärkten tageweise leihen, was sich lohnt, wenn Sie nur alle paar Jahre vertikutieren.
Achten Sie auf diese Punkte:
- Feste Messer statt Federzinken, wenn wirklich Filz herausgeholt werden soll.
- Eine stufenlose oder fein gestufte Tiefeneinstellung.
- Ein Fangkorb erspart das Abrechen, wird bei viel Filz aber schnell voll.
Viele Kombigeräte haben eine Messerwalze und eine Lüfterwalze mit Federzinken. Die Lüfterwalze eignet sich für den leichten Durchgang zwischendurch, etwa im Herbst, um Laub und losen Filz auszukämmen.
Vor dem Start die Fläche von Steinen, Ästen und Hundespielzeug befreien. Kanten an Wegen und Beeten fahren Sie langsam an, damit die Messer nicht an Randsteinen aufsetzen. Sprinklerköpfe und Begrenzungsdraht eines Mähroboters sollten markiert sein, bevor der Vertikutierer darüberfährt.
Filz vorbeugen statt jedes Jahr vertikutieren
Filz entsteht, wenn mehr Pflanzenmaterial anfällt, als das Bodenleben abbauen kann. Die Ursachen lassen sich beeinflussen:
- Zu seltenes Mähen mit langen Schnittresten, die liegen bleiben.
- Zu viel Stickstoff auf einmal, der Rasen wächst mehr, als abgebaut wird.
- Saurer oder verdichteter Boden, in dem das Bodenleben schwach ist.
- Staunässe durch schlechten Unterbau.
Häufiges Mähen mit kurzen Schnittresten, maßvolle Düngung und ein belüfteter Boden halten den Filz dauerhaft niedrig. Moos ist oft ein Zeichen dieser Ursachen. Mehr zum Moos steht in den Antworten auf der Seite Zaunbau und Rasenbau.
Wenn der Rasen stark verfilzt oder vermoost ist und sich nicht mehr erholt, kann eine Sanierung mit Vertikutieren, Aerifizieren und Nachsaat oder eine Neuanlage nötig sein. Dann schicken Sie uns eine Anfrage mit ein paar Fotos und der Größe der Fläche.
Häufige Fragen
01Kann ich mit einem Rasenlüfter statt einem Vertikutierer arbeiten?
Ein Rasenlüfter mit Federzinken kämmt losen Filz heraus, schneidet aber nicht in den Boden. Bei leichtem Filz reicht das. Bei dickem Filz oder viel Moos ist ein Vertikutierer mit Messern wirksamer.
02Soll ich vor dem Vertikutieren Moosvernichter streuen?
Das ist nicht nötig. Vertikutieren holt das Moos mechanisch heraus. Moosvernichter mit Eisensulfat können auf Pflaster und Platten Rostflecken hinterlassen, die sich schwer entfernen lassen.
03Wie lange dauert es, bis der Rasen wieder betreten werden kann?
Ohne Nachsaat können Sie ihn schon nach wenigen Tagen wieder normal betreten. Nachgesäte Stellen sollten Sie schonen, bis die neuen Gräser zweimal gemäht wurden. Das dauert je nach Wetter drei bis sechs Wochen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
Die Hinweise zu Recht und Vorschriften sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Sie möchten das nicht selbst machen? Schicken Sie uns ein paar Fotos und eine kurze Beschreibung – wir melden uns mit einem Terminvorschlag.
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