Frostschäden entstehen, wenn Wasser in Boden, Fugen oder Steinporen gefriert und sich dabei ausdehnt. Unter der Fläche hebt Frost den Belag an, an der Oberfläche platzen Stein und Mörtel ab, besonders in Verbindung mit Streusalz. Vorbeugen heißt: Wasser ableiten, frostsicher gründen, frostbeständiges Material wählen und auf Salz verzichten.
Was Frost mit Wasser macht
Wasser dehnt sich beim Gefrieren um rund 9 Prozent aus. Sitzt es in einem geschlossenen Raum, etwa in einer Pore, einem Haarriss oder einer vollgesogenen Fuge, entsteht Druck. Ein einzelner Frost richtet selten etwas an. Schädlich sind die vielen Wechsel zwischen Frost und Tauwetter, wie sie in einem norddeutschen Winter typisch sind. Jedes Mal dringt etwas mehr Wasser ein, jedes Mal wird der Riss ein wenig größer.
Dazu kommt der Boden. In feinkörnigen, lehmigen Böden zieht Frost Wasser aus der Umgebung nach oben. Es bilden sich Eislinsen, die den Boden und alles darauf anheben. Beim Tauen weicht der Boden auf und trägt kurzzeitig schlecht. Das nennt man Frosthebung und Tauweiche. Sandige, durchlässige Böden sind dafür viel weniger anfällig.
Frostschäden haben also zwei Ursachen, die man auseinanderhalten sollte: Frost im Material und Frost im Untergrund.
Schadensbilder erkennen
Nach dem Winter lohnt ein Rundgang. Folgende Zeichen deuten auf Frost hin: - Abplatzungen an der Oberfläche von Betonsteinen und Stufen, oft schalenförmig und flach - gerissene oder ausgebrochene Mörtelfugen in Pflaster, Platten und Mauerwerk - einzelne Pflastersteine oder Randsteine, die hochstehen - Stufen, die kippeln oder sich nach vorn geneigt haben - lose Steine in der Mauerkrone, Risse entlang der Lagerfugen - abgesprengte Schalen an weichem Naturstein, besonders an der Wetterseite
Nicht jede Delle im Pflaster ist ein Frostschaden. Senken, die sich über Jahre vertiefen, haben meist andere Ursachen. Mehr dazu im Beitrag Warum Pflaster absackt.
Pflaster und Platten: Frostschutzschicht und Fugen
Gegen Frosthebung schützt der Unterbau. Unter Pflaster und Platten liegt eine Frostschutz- und Tragschicht aus gut verdichtetem, durchlässigem Material. Sie trennt den Belag vom frostempfindlichen Boden und leitet Wasser nach unten ab. Ist sie zu dünn oder mit Lehm verschmutzt, hebt Frost die Fläche stellenweise an. Die Steine setzen sich danach nicht wieder genau an ihren Platz.
Ein zweiter Punkt ist die Bauweise. Starre Mörtelfugen auf einem ungebundenen Unterbau reißen fast zwangsläufig, weil sich Unterbau und Belag im Frost unterschiedlich bewegen. Gebundene Fugen funktionieren nur auf einem durchgehend gebundenen, wasserdurchlässigen oder entwässerten Aufbau. Bei klassischem Pflaster auf Splittbett sind ungebundene Fugen aus Sand oder Splitt die robustere Wahl.
Gefälle von rund 2 Prozent weg vom Haus und zu Rinnen oder Beeten sorgt dafür, dass kein Wasser auf der Fläche steht. Wie dick der Unterbau sein muss, hängt von Boden und Nutzung ab. Eine Einfahrt braucht mehr als ein Gartenweg.
Stufen: Gründung und Wasser auf dem Auftritt
Stufen trifft der Frost doppelt. Von unten, wenn das Fundament nicht tief genug oder nicht auf durchlässigem Material steht. Dann hebt sich die Stufe an einer Ecke, und nach dem Tauen sitzt sie schief. Von oben, wenn Wasser auf dem Auftritt steht oder in die Fuge zwischen zwei Stufen läuft und dort gefriert.
Bei Blockstufen auf Beton reicht meist eine gut verdichtete Schotterschicht unter dem Fundament. Stufen am Hauseingang, an die hohe Ansprüche gestellt werden, gründet man frostfrei. Als Faustwert für frostfreie Gründungen gelten in Deutschland meist 80 cm oder mehr. Wie tief es im Einzelfall sein muss, hängt von Region, Boden und Bauteil ab. Jeder Auftritt braucht ein leichtes Gefälle nach vorn. Mehr zu Maßen und Aufbau steht im Beitrag Gartentreppe bauen.
Mauern: Krone dicht, Rückseite trocken
Bei Mauern kommt das Wasser von oben und von hinten. Eine offene Mauerkrone saugt Regen auf, der in den Fugen gefriert. Deshalb schließt man gemauerte Wände mit Abdeckplatten mit Überstand und Tropfkante ab. Bei Trockenmauern übernehmen schwere, breite Decksteine diese Aufgabe.
Von hinten drückt nasser, gefrierender Boden. Stützmauern ohne durchlässige Hinterfüllung und ohne Dränage werden Winter für Winter ein Stück nach vorn geschoben. Das sieht man an Bäuchen, Rissen und einer Neigung zur Talseite. Die Ursache liegt dann nicht im Stein, sondern im Wasser dahinter. Hinterfüllung und Dränage gehören deshalb zu jeder Stützmauer. Zur Sanierung alter Natursteinmauern finden Sie Hinweise auf der Seite Naturstein- und Mauerbau.
Material: frostbeständig ist nicht gleich tausalzbeständig
Granit, Basalt und dichter Kalkstein sind in der Regel frostbeständig. Bei weichen, porösen Sandsteinen und manchen Kalksteinen hängt es von der Sorte ab. Lassen Sie sich für den Außenbereich die Frostbeständigkeit bestätigen.
Für Pflastersteine aus Beton gilt DIN EN 1338, für Betonplatten DIN EN 1339. Beide Normen teilen den Widerstand gegen Witterung in Klassen ein. Für die höchste Klasse 3, erkennbar an der Kennzeichnung „D“, wird der Stein mit Frost-Tau-Wechseln unter Tausalzlösung geprüft. Wer auf Wegen oder Stufen im Winter streut, sollte auf diese Kennzeichnung achten.
Auch Mörtel und Fugenmaterial müssen für außen geeignet sein. Für Natursteinmauern und gebundene Pflasterfugen gibt es Trass- und Werkmörtel, die ausdrücklich als frost- und tausalzbeständig ausgewiesen sind. Mörtel aus dem Innenbau hält draußen oft nur einen Winter.
Streusalz verschärft den Schaden. Salzwasser dringt tiefer in die Poren ein, und die Oberfläche kühlt beim Tauen schlagartig ab. So platzen dünne Schichten ab. Das Umweltbundesamt weist außerdem darauf hin, dass Salz die Bewehrung in Beton angreifen kann. Welche Streumittel die Flächen schonen, steht im Beitrag Salz, Splitt oder Granulat.
Was Sie vor und während des Winters tun können
Einen Teil der Schäden verhindert man mit wenig Aufwand im Herbst und im Winter selbst: - Offene Pflasterfugen nachsanden oder mit Splitt nachfüllen. Volle Fugen stützen die Steine und lassen weniger Wasser in die Bettung. - Abläufe, Rinnen und Fallrohre freihalten. Ein Fallrohr, das direkt auf Pflaster oder an eine Stufe entwässert, sorgt im Winter für eine Eisfläche. - Kein Streusalz auf Beton, Naturstein und Mörtelfugen. Splitt oder Granulat schonen den Belag. - Schnee nicht an Mauern, auf Stufen oder gegen die Hauswand türmen. Beim Tauen läuft das Wasser genau dorthin, wo es schadet. - Eis nicht mit Spaten oder Hacke abschlagen. Kanten von Stufen und Platten brechen dabei leicht aus. - Bei Natursteinmauern lockere Decksteine vor dem Winter neu setzen.
Wer die Außenanlagen ohnehin im Herbst durchgeht, findet weitere Punkte im Beitrag Garten winterfest machen.
Reparieren: wann und wie
Repariert wird, wenn der Boden aufgetaut und abgetrocknet ist, meist ab März oder April. Vorher sind Fläche und Unterbau noch in Bewegung, und neue Fugen würden gleich wieder reißen.
Einzelne abgeplatzte oder gehobene Steine werden ausgebaut, das Bett darunter ausgeglichen und die Steine neu gesetzt oder ersetzt. Gerissene Mörtelfugen kratzt man aus und prüft, ob der Unterbau überhaupt zu einer gebundenen Fuge passt. Hebt sich eine Fläche jedes Jahr an derselben Stelle, liegt das Problem im Untergrund. Dann hilft nur, den Aufbau an dieser Stelle zu erneuern.
Wenn Sie Schäden nach dem Winter einschätzen lassen wollen, schicken Sie uns eine Anfrage mit Fotos der betroffenen Stellen.
Häufige Fragen
01Kann ich Frostschäden mit einer Imprägnierung verhindern?
Eine Imprägnierung kann bei manchen Natursteinen und Betonsteinen die Wasseraufnahme verringern. Sie ersetzt aber keinen richtigen Unterbau und kein Gefälle. Prüfen Sie vorher an einer verdeckten Stelle, ob sich Farbe oder Rutschfestigkeit ändern.
02Zahlt die Versicherung bei Frostschäden am Pflaster?
In der Regel nicht. Wohngebäudeversicherungen decken Frost üblicherweise nur an wasserführenden Leitungen und Anlagen, nicht an Pflaster oder Mauern. Maßgeblich sind Ihre Vertragsbedingungen. Zeigt eine neue Fläche schon nach dem ersten Winter Frostschäden, fragen Sie den ausführenden Betrieb, ob ein Mangel im Rahmen der Gewährleistung vorliegt.
03Sind Klinker im Außenbereich frostsicher?
Pflasterklinker für den Außenbereich sind in der Regel frostbeständig. Weiche Ziegel aus Abriss oder Innenmauerwerk dagegen nicht. Achten Sie bei gebrauchten Steinen auf ihre Herkunft.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- Universität Kassel, Werkstoffe des Bauwesens: Frost-Tausalz-Widerstand von Betonsteinpflaster (DIN EN 1338, Klasse 3, Slab Test) (öffnet in neuem Tab)
- Berding Beton: Anforderungen an Betonsteine, -platten und -bordsteine (DIN EN 1338/1339/1340, Klasse 3, Kennzeichnung D) (öffnet in neuem Tab)
- Umweltbundesamt: Streumittel – umweltschonend gegen Glätte (Salz greift Beton und Bewehrung an) (öffnet in neuem Tab)
Die Hinweise zu Recht und Vorschriften sind allgemeine Informationen und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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