Planen Sie den Vorgarten von den festen Anforderungen her: Zugang zur Haustür, Weg der Mülltonnen zur Straße, Stellplatz für Räder und gegebenenfalls das Auto. Erst die Restfläche wird Beet, und die muss in Niedersachsen grundsätzlich begrünt sein. Mit einer Tonnenbox, einem breiten Hauptweg und einer dichten, niedrigen Bepflanzung wirkt auch ein kleiner Vorgarten ordentlich.
Zuerst die Wege, dann die Pflanzen
Ein Vorgarten muss mehr leisten als jede andere Fläche am Haus. Besucher, Paketboten, Mülltonnen, Fahrräder und oft das Auto müssen durch. Viele Vorgärten wirken unruhig, weil diese Wege nachträglich durch ein Beet getrampelt wurden.
Beginnen Sie deshalb mit einer einfachen Skizze. Tragen Sie Haustür, Garage oder Stellplatz, die Stelle, an der die Tonnen am Abfuhrtag stehen, und den Abstellplatz für Räder ein. Verbinden Sie diese Punkte auf dem kürzesten sinnvollen Weg. Was dann übrig bleibt, ist Ihre Pflanzfläche. So entstehen keine Trampelpfade, und die Beete werden nicht jedes Mal von den Tonnenrädern angefahren.
Welche Maße für Weg, Tonnen und Räder
Einige Richtwerte helfen beim Planen. Sie sind keine Norm, sondern Faustregeln aus der Praxis:
- Hauptweg zur Haustür: mindestens 1,20 Meter breit, damit zwei Personen oder eine Person mit Tonne bequem durchkommen.
- Stellfläche je Mülltonne: für eine 120-Liter-Tonne etwa 60 mal 60 Zentimeter, für eine 240-Liter-Tonne etwa 75 mal 80 Zentimeter, jeweils mit etwas Luft zum Herausziehen.
- Fahrräder: etwa 70 Zentimeter Breite je Rad, bei einem Anlehnbügel mit beidseitiger Nutzung rund 1,20 Meter zwischen den Bügeln.
- Vor der Haustür: eine ebene Fläche von etwa 1,50 mal 1,50 Metern, auf der man mit Einkäufen stehen und die Tür öffnen kann.
Messen Sie Ihre Tonnen nach, bevor Sie eine Box oder Fläche planen. Je nach Abfuhrsystem stehen im Braunschweiger Land drei bis vier Behälter am Haus. Wenn später noch eine Tonne dazukommt, sollte sie ohne Umbau Platz haben.
Für Fahrräder, die täglich genutzt werden, ist ein Platz nah an der Haustür besser als der Schuppen hinter dem Haus. Ein überdachter Fahrradständer oder eine Fahrradbox schützt vor Regen. Planen Sie auch den Platz zum Rangieren ein, besonders bei Lastenrädern oder Anhängern, die deutlich länger sind als ein normales Rad.
Mülltonnen verstecken, aber erreichbar lassen
Tonnen stören im Vorgarten am meisten. Bewährt haben sich vor allem drei Lösungen. Eine Tonnenbox aus Holz, Metall oder Beton mit Klappdeckel ist der schnellste Weg. Sie braucht einen festen, ebenen Untergrund, am besten Pflaster oder Platten. Eine Nische zwischen Hauswand und einer niedrigen Mauer oder Hecke wirkt ruhiger, weil sie Teil der Gestaltung ist. Und eine berankte Einhausung aus Stahlgitter mit Efeu oder Clematis wird mit der Zeit grün.
Genauso zählt der Weg zur Straße. Die Tonnen sollten auf einer befestigten, möglichst stufenlosen Fläche rollen. Stufen, Rasen oder Kies sind mit einer vollen Tonne mühsam. Die Fläche, über die jede Woche volle Tonnen rollen, braucht einen tragfähigen Unterbau wie ein Gehweg. Sonst bilden sich nach einigen Wintern Spurrinnen und lose Steine.
Wie viel Fläche befestigt sein darf
In Niedersachsen gilt § 9 Abs. 2 NBauO: Die nicht überbauten Flächen eines Baugrundstücks müssen Grünflächen sein, soweit sie nicht für eine andere zulässige Nutzung erforderlich sind. Weg, Stellplatz und Tonnenplatz sind solche Nutzungen. Der Rest soll begrünt sein, ein Beet aus Schotter mit einzelnen Pflanzen reicht dafür nicht. Was dabei als Grünfläche zählt, erklärt der Artikel Schottergärten in Niedersachsen. Zusätzlich kann ein Bebauungsplan Vorgaben für Vorgärten machen. Das ist allgemeine Information; was für Ihr Grundstück gilt, erfahren Sie bei der Bauaufsicht Ihrer Gemeinde.
Praktisch heißt das: Befestigen Sie, was Sie wirklich brauchen, und nicht mehr. Die Pflasterfläche lässt sich oft verkleinern, wenn Wege nicht doppelt geführt werden und der Stellplatz genau so breit ist wie nötig.
Pflanzen für den Vorgarten
Im Vorgarten wird wenig gearbeitet, aber viel gesehen. Deshalb eignen sich Pflanzungen, die das ganze Jahr Struktur haben. Ein Kleinbaum wie Felsenbirne, Zierapfel oder ein kleinkroniger Feldahorn gibt dem Haus einen Rahmen, ohne die Fenster zu verdunkeln. Darunter passen immergrüne Bodendecker und niedrige Sträucher, dazu einige Gräser und Stauden in größeren Gruppen.
Achten Sie auf die Himmelsrichtung. Ein Nordvorgarten liegt fast den ganzen Tag im Schatten des Hauses und braucht Schattenpflanzen wie Farne, Funkien, Elfenblume oder Schattengräser. Ein Südvorgarten ist oft heiß und trocken, weil die Hauswand zusätzlich Wärme abstrahlt. Dort sind Arten wie Lavendel, Katzenminze, Storchschnabel und niedrige Gräser besser.
Wenige Arten in großen Gruppen wirken im Vorgarten ruhiger als viele Einzelpflanzen. Immergrüne Arten wie Eibe, Stechpalme oder Bergenie sorgen dafür, dass der Vorgarten auch im Januar nicht leer aussieht. Gräser wie Lampenputzergras oder Rutenhirse bleiben bis zum Rückschnitt im Februar stehen. Als Abgrenzung zur Straße ist eine niedrige Hecke oder ein Zaun möglich, die Vor- und Nachteile vergleicht der Artikel Zaun oder Hecke.
Regenwasser und Fallrohre einplanen
Wo gepflastert wird, muss das Regenwasser hin. Legen Sie das Gefälle der Wege so, dass Wasser in angrenzende Beete läuft und nicht zur Hauswand oder zum Nachbarn. Ein Fallrohr vom Dach kann, wenn der Boden es zulässt, in eine kleine Mulde oder ein Beet mit durchlässigem Boden geleitet werden. Das entlastet den Kanal und versorgt die Pflanzen. Die Mulde gehört aber nicht direkt an die Hauswand, schon gar nicht bei einem Keller. Wie viel Abstand nötig ist, hängt von Keller, Boden und Abdichtung ab.
Ob eine Versickerung auf Ihrem Grundstück möglich ist und welche Regeln dafür gelten, steht im Artikel Regenwasser versickern.
Typische Fehler im Vorgarten
Beim Vorgarten wiederholen sich einige Fehler, die sich mit etwas Planung vermeiden lassen:
- Der Weg ist zu schmal oder hat eine Stufe, und die Tonnen werden über den Rasen gezogen.
- Große Sträucher direkt vor den Fenstern, die nach einigen Jahren das Licht nehmen und jedes Jahr zurückgeschnitten werden müssen.
- Viele kleine Kübel auf der Treppe, die im Sommer täglich gegossen werden müssen.
- Pflanzflächen, die schmaler als etwa 50 Zentimeter sind. Dort wachsen kaum Pflanzen richtig, und der Rand wird ständig betreten.
- Keine Beleuchtung am Weg, sodass Hausnummer, Stufen und Briefkasten im Winter schlecht zu finden sind.
Planen Sie Hausnummer, Briefkasten, Klingel und Licht gleich mit, bevor der Belag liegt. Kabel lassen sich im offenen Graben leicht verlegen, später nur mit viel Aufwand.
Reihenfolge beim Umbau
Ein Umbau des Vorgartens folgt fast immer derselben Reihenfolge. Zuerst werden alte Beläge, Kies und Pflanzen entfernt, die nicht bleiben sollen. Dann folgen Leitungen, Entwässerung und Fundamente für Tonnenbox oder Fahrradbügel. Danach werden Wege und Stellflächen gebaut, anschließend die Einfassungen gesetzt. Erst ganz zum Schluss kommen Boden und Pflanzen.
Wer diese Reihenfolge umdreht, fährt mit Rüttelplatte und Schubkarre über die frisch gesetzten Pflanzen. Für einen ganzen Garten gilt dasselbe Prinzip, ausführlich im Artikel Garten neu anlegen: die richtige Reihenfolge. Wie ein solches Projekt mit einem Betrieb abläuft, beschreibt die Seite Gartengestaltung und Pflege. Wenn Sie den Vorgarten nicht selbst umbauen möchten, schicken Sie uns eine Anfrage mit einem Foto von der Straße aus und einer groben Skizze.
Häufige Fragen
01Brauche ich für eine Mülltonnenbox eine Genehmigung?
Eine kleine, frei aufgestellte Tonnenbox ist meist unproblematisch, eine fest gemauerte Einhausung ist dagegen eine bauliche Anlage. Auch wenn keine Baugenehmigung nötig ist, müssen Bebauungsplan und örtliche Gestaltungssatzung eingehalten werden, und die regeln im Vorgarten oft Lage und Gestaltung. Fragen Sie im Zweifel bei der Bauaufsicht Ihrer Gemeinde nach.
02Darf ich den ganzen Vorgarten als Stellplatz pflastern?
Befestigt werden darf, was für eine zulässige Nutzung wie einen genehmigten Stellplatz nötig ist. Der Rest soll nach § 9 Abs. 2 NBauO Grünfläche sein. Ob und wie viele Stellplätze im Vorgarten zulässig sind, regelt oft der Bebauungsplan.
03Welche Hecke eignet sich als niedrige Einfassung zur Straße?
Für Höhen um 50 bis 80 Zentimeter eignen sich zum Beispiel Liguster, niedrige Berberitzen oder Eibe. Buchsbaum wird wegen Pilzkrankheiten und Zünsler heute seltener gepflanzt. Welche Art zu Ihrem Standort passt, vergleicht der Artikel zu Heckenpflanzen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 9 NBauO: Nicht überbaute Flächen (NI-VORIS) (öffnet in neuem Tab)
- OVG Lüneburg, Beschluss vom 17.01.2023, 1 LA 20/22 (NI-VORIS) (öffnet in neuem Tab)
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